Hedera helix und andere... (inkl. Abschnitt "Efeu entfernen")

– Fassadenbegrünung mit Efeu , auch „Immergrün“, „Mauerpfau“, „Baumtod“

Selbstklimmer (Haftwurzelkletterer) für flächige bis sehr großfläche Fassadenbegrünungen; immergrün; Heterophyllie mit Änderung der Kletterweise in der Altersform.

Jugenform verschiedener Efeusorten, frostharte Fassadenbegrünung bzw. Mauerbegrünung oder Wandbegrünung

Efeu – heimische. immergüne, selbstklimmende Kletterpflanzen. Jungformen verschiedener Hedera helix.

Fassadenbegrünung, Wandbegrünung mit Efeu, Pflege und Schnitt fachgerecht

Fachgerecht gepflegte Fassadenbegrünung mit Efeu (Hedera helix) und Wildem Wein, der unter/zwischen dem Efeu kümmert.

Der bekannteste Efeu (Hedera helix) ist ein heimischer Haftwurzelkletterer. Er kommt in Europa und in westlichen Teilen Asiens natürlich vor, ist aber inzwischen auch in Nordamerika und Neuseeland anzutreffen. Man darf davon ausgehen, daß er seit jeher menschliche Behausungen vor Witterung und Sicht geschützt hat und zu diesem Zweck irgendwann überall dort anzutreffen sein wird, wo die klimatischen Bedingungen für diese Verwendung geeignet sind. Andere bekanntere Arten sind  der an den Atlantikküsten verbreitete Hedera hibernica und Hedera colchica, der im Kaukasus, östlich des schwarzen Meeres, in Syrien und auf Zypern anzutreffen ist. Weitere Arten haben ihren Ursprung u.a. in Nordwestafrika (Hedera algeriensis), auf den makaronesischen Inseln (z.B. Hedera canarensis, Hedera maderensis), im Himalaya (Hedera nepalenisis) und Japan, Korea und Taiwan (Hedera rhombea).

Die meisten der insgesamt  vermutlich weit mehr als 700 Sorten gehen auf die Arten Hedera helix (kleinblättrig), Hedera colchica (großblättrig)  und Hedera hibernica zurück. Das Efeulaub ist je nach Sorte und Alter dunkel- bis laubgrün. Verschiedene Sorten haben hell geflammte oder umrandete Blätter. Unscheinbare, gelblich grüne Doldenblüten erscheinen im Spätsommer bis Herbst. Die nicht ganz erbsengroßen, schwarzen Früchte reifen im Folgejahr.

Efeu wird zu den Giftpflanzen gezählt. Sapoine, hier Hederin, sind vor allem im Laub konzentriert. Die Blüten, Früchte und das Holz enthalten den Wirkstoff in geringerer Konzentration. Neben eher unwahrscheinlichen (und wohl i.d.R. eher harmlosen) Vergiftungen durch Verzehr, kann der Saft von frischen Efeublättern Hautausschläge hervorrufen. Menschen mit empfindlicher Haut sollten sich daher beim Schneiden von Efeu durch geeignete Kleidung und Handschuhe schützen. Der Verzehr von Efeubeeren oder -blättern kann (könnte) vor allem bei Kindern zu Vergiftungserscheinungen mit der Folge von Durchfall, Erbrechen, Krämpfen führen. Im Allgemeinen erweist sich diese Möglichkeit jedoch als fast bedeutungslos – wie die meisten giftigen Pflanzen schmeckt Efeu niemandem.

Als Heilpflanze kennt man Efeu schon seit der Antike. Man nutzte Wurzel, Blätter und Früchte oder Extrakte innerlich und äußerlich. Auch heutzutage wird Efeu-Extrakt u.a. bei Atemwegserkrankungen und als Komponente von Hautpflegemitteln eingesetzt.

Da Efeu (wirklich) immergrün ist, und sich sehr dicht und ausladend entwickelt, erfüllt er Schutzfunktionen (Niederschlag, Wind, Sicht, Strahlung) wie keine andere Kletterpflanze.  Sowohl von seinen Standortansprüchen her, als auch aufgrund seiner positiven bauphysikalischen Wirkungen sollte Efeu an nördlich bis westlich orientierte Fassaden gepflanzt werden.

Diesen Positivwirkungen stehen jedoch einige Beanspruchungen von Bauwerken gegenüber, die  sich mit einem Efeubewuchs verbinden. Deshalb muß bei aktuellen Begrünungsmaßnahmen sorgfältiger als je zuvor geprüft werden, ob Efeu an der betreffenden Fassade zum Einsatz gelangen darf.
Eine umfassende, genaue Erläuterung aller Eigenschaften und Schadenspotentiale an Bauwerken – insbesondere bei Verwendung von Hedera helix – würde den Rahmen einer Beschreibung und grundsätzlicher Verwendungshinweise sprengen. Hierzu  sei auf entsprechende Literatur verwiesen.

Fassadenbegrünung mit Efeu , viele Arten und Sorten mit unterschiedlichen Eigenschaften

Im Kloster Neuburg besteht eine Sammlung von cirka 450 verschiedenen Arten Und Sorten des Efeus

Nachteilige Wirkungen durch den Bewuchs von Fassaden oder Bauwerken mit Efeu

Hausbegrünung mit Kletterpflanzen, Freihaltung sensibler Bereiche am Bauwerk von Bewuchs durch Efeu

Die Freiwillige Feuerwehr in Bachmanning (Österreich) kürzt periodisch diesen Efeu. Im Archiv wird vom Schnitt 2003 berichtet. Ich danke Webmaster Peter Reischl für die Überlassung dieses Fotos.

Sehr viele Schäden in Verbindung mit Efeubewuchs resultieren aus der Unterschätzung seines Wuchsvermögens – teilweise auch des daraus resultierenden Gewichtes. Der Hinweis, dass Efeu keinen intakten Putz oder fachgerecht verfugtes Mauerwerk schädigt, ist richtig, stellt aber auch dann keinen generellen Freibrief zur Efeuverwendung dar, wenn eine Wandfläche selbst „efeugerecht“ ist. Auf, neben oder über Flächen, die eine Begrünung tragen können, gibt es meist Bereiche, die keinen Bewuchs vertragen. In dem meisten Fällen handelt es sich dabei um das Dach samt Regenentwässerung. Im Bild links ist es eine Turmuhr in einer Höhe, die deutlich über der Firsthöhe vieler mit Efeu bewachsener Gebäude liegt …   Efeubewuchs erfordert fast an jedem Bauwerk früher oder später regelmäßige begrenzende Schnittmaßnahmen.

Dabei ist es – wie bei anderen Selbstklimmern – unvermeidlich, dass Haftwurzeln an der bewachsenen Fassade,  bzw . anderen Unterlage verbleiben. Diese Reste sehen nicht schön aus. Darüber, ob solche „Verunzierungen“ von Mauern, Fassaden oder anderen Flächen als Schaden anzusehen ist, kann man ewig streiten. Tatsächlich handelt es sich um unvermeidliche Beeinträchtigungen mit objektiv  jeweils sehr unterschiedlicher Relevanz, die  längst nicht immer als ernsthaftes Problem anzusehen sind.

Reste von Efeu-Haftwurzeln, Wurzelreste auf einer Fassade, Putzfläche mit Anstrich

Reste von Efeu-Haftwurzeln auf einer Fassade

Nur wenn  Efeu (oder ein anderer Selbstklimmer) ganz oder teilweise entfernt wird,  bzw. sich von einer Fassade löst und herab fällt, zeigt sich diese nachteilige Wirkung selbstklimmender Begrünungen.

Die dann störenden Haftwurzeln (ggf. auch Haftscheiben) haben seinerzeit eine ausgesprochen preiswerte Hausbegrünung ermöglicht und i.d.R.  über Jahre hinweg einige Renovierungsarbeiten überflüssig gemacht.  Die Verunreinigung durch Haftorgane alleine dürfte man also nur dann als Schaden ansehen, wenn sich die betrachtete Begrünung nicht bewährt hat oder vorzeitig versagen wird, bzw. versagt hat.
Der häufigste Grund derartigen Versagens liegt in der Bepflanzung zu kleiner Flächen mit Efeu. Entweder wächst er dort dem Hausbesitzer „über den Kopf“ indem er mehr Pflege (Rückschnitt) erfodert als der Hausbesitzer leisten kann oder er stürzt aufgrund einer Überalterung der Haftorgane infolge von zu drastischer Begrenzung ab.

Generell resultieren die meisten Probleme mit Efeu, die zu dessen Entfernung führen, aus der Unterschätzung seiner späteren Größe. Entweder bewächst er dann sensible Bereiche, wo er z.B  durch Dickenwuchs ensthafte Schäden verursacht oder der (wachsende) Aufwand für Schnittmaßnahmen wird unzumutbar. Ferner muss man davon ausgehen, dass viele zeitgemäße „efeugerechte“ Fassaden  sehr häufig zu glatt sind, um langfristig großflächigen Efeubewuchs zu tragen Im Folgenden werden die Ursachen dafür beschrieben.

 Bildung und Funktion der Haftwurzeln (Kriechsprossen) von Efeu

Die Ausbildung der Haftwurzeln (Menge, Länge), mit denen Efeu klettert, ist u.a. art- und sortenabhängig. Einige Efeusorten eignen sich daher schlechter oder auch gar nicht zur Fassadenbegrünung ohne Kletterhilfe, bzw. stützende Konstruktion.

Fassadenbegrünung - Historisches Natursteinmauerwerk von Hedera helix durchwurzelt

An der Abtei Neuburg (bei Heidelberg) wächst schon seit längerem Efeu (Hedera helix) an verschiedenen Stellen aus dem Bruchsteinmauerwerk des Gebäudesockels.

Durchwurzelung von Mauerwerk durch Efeu oberirdisch

Detailaufnahme des Wurzelhalses. Auch an anderen Stellen des Gebäudes wächst inzwischen Efeu aus der Außenwand. Wie die erneuerten Fugen belegen, war bereits Instandsetzung notwendig.

Efeu dringt durch Mauerwerk - einschaliges Ziegelmauerwerk - Bauschaden

Wie dieser Efeutrieb von außen durch eine Ziegelwand und die Innendämmung aus Steinwolle gelangt ist, ließ sich ohne weitere Zerstörungen nicht feststellen. An  der Kirche in St .Martin des Bromes (Alpes de Haute Provence) entspross Efeu der durchwurzelten Außenwand innenseitig an zahlreichen Stellen – teilweise in mehr als 6 m Höhe.

 

Haftwurzelbildung und Farbe des Untergrundes bei diffusen Lichtverhältnissen im Schatten - hier am Beispiel einer Kletterhortensie

Haftwurzelbildung und Farbe des Untergrundes bei diffusen Lichtverhältnissen im Schatten – hier am Beispiel einer Kletterhortensie

 

Fassadenbegrünung mit Kletterpflanzen - Absturz, Abriss von Efeu von der Fassade

Nach mehren Jahren Rückschnitt bei ca. 4 m Höhe hat sich dieser Efeu von der Wand gelöst. Man sieht deutlich, dass nach unten hin weniger Haftwurzelreste auf der Fassade hängen. Foto: Helmut Ladwig aus Rodenbach (bei Hanau).

Junge – d.h. noch nicht blühende – Efeupflanzen bilden unabhängig von der Umgebungsfeuchte einmalig am Neuaustrieb art- bzw. sortenabhängig mehr oder weniger zahlreiche Wurzelaustriebe. Zu diesem Zeitpunkt sind dies noch sprossbürtige Wurzelansätze mit der natürlichen Veranlagung, sich zu solchen Wurzeln zu entwickeln über die sich Pflanzen mit Wasser und Nährstoffen versorgen.  Oberhalb des Erdreiches verkümmern solche Wurzelsprosse üblicherweise je nach  vorhandener Feuchte und sterben ab. Diejenigen, die Kontakt zu einer Unterlage  mit eine rminimalen Oberflächenfeuchte gefunden haben, verwuchern vor dem Absterben mit dieser und werden so zu Haftwurzeln. Wurzelansätze ohne Kontakt zu einer Fläche – also solche, die in die Luft ragen – sterben noxch früher nach einem gewissen Längenwachstum ab. Sie sind und bleibenfür die Pflanze nutzlos.

Stoßen  sehr junge Wurzelsprosse jedoch auf Feuchte und gleichzeitig auf einen Untergrund  in den sie hineinwurzeln können, entwickeln sie sich zu „richtigen“ Wurzeln, mit denen sich die Pflanze ernähren kann. Diese Wurzeln wachsen solange, wie sie auf dazu ausreichende Feuchte stoßen. Wird dann die bisherige Nährstoffversorgung eines Efeus gekappt oder sonswie geschädigt, kann er sich über solche bereits ausreichend etablierte sprossbürtige Wurzeln ernähren. Die Ausbildung sproßbürtiger Wurzeln ist jedoch keine Besonderheit des Efeus, sondern eine Form der Vermehrung vieler Pflanzen – insbesondere kletternder und bodendeckender. Diese Fähigkeit, sprossbürtige Wurzeln zu bilden, wird  auch zur planmäßigen Pflanzenvermehrung durch Absenker genutzt.

Bei begrünten Fassaden besteht die (seltene) Gefahr, dass Mauerwerke durch sprossbürtige Wurzeln gesprengt werden. Derartige Fälle sind jedoch i.d.R. nur an Ruinen und vorzugsweise historischen Mauern und Bauwerken ohne funktionierende Feuchtesperre zum Boden hin und an unsachgemäß errichteten Stützmauern anzutreffen.  Eine andere Ursache kann in Taupunktverschiebeungen liegen, die zu feuchten Außenwänden führen.

Üblicherweise erfüllen die Außenwände genutzter Gebäude nicht die Voraussetzungen, die zu ihrer Durchwurzelung vorliegen  müssen. Ausnahmen – siehe Fotos –  bestätigen allerdings die Regel.  Dass ausgerechnet Efeu vergleichsweise häufig in dieser Richtung auffällig wird, liegt vorrangig an fehlender Sorgfalt der Kontrolle von efeubewachsenen Gemäuern  im Detail und  an verminderter Abtrocknung von Feuchte  die von unten innen oder oben in die Bausubstanz eingetragen wird.  Speziell hinter immergrünen Efeubehängen entwickeln  sich mitunter jahrzehntelang unbeachtet potenzielle Schädigungen der Bausubstanz, die bei laubabwerfendem Bewuchs – im wahrsten Sinne des Wortes – viel „offensichtlicher“ sind. Mitunter werden sie erst durch das Aufkahlen alter Efeupflanzen oder bei deren Entfernung entdeckt.

Die Haftfähigkeit  von etablierten Haftwurzeln richtet sich sehr  nach dem Untergrund. Maßgeblich für die Qualität der Haftung ist vorrangig dessen Oberflächenstruktur (Rauhigkeit / Porosität).
Die Quantität gebildeter und wirksam ausgerichteter (den Untergrund erreichender) Haftwurzeln hängt dagegen sehr wesentlich auch von den jeweiligen Lichtverhältnissen ab. Insbesondere bei diffusen Lichtverhältnissen vor sehr hellen Fassaden bildet Efeu – wie andere Internodienwurzler – nur in verminderter Anzahl Haftwurzeln aus. Wird der Trieb  –  z.B. unter Belaubung – gleichmäßig von Dunkelheit umgeben, bilden sich hibngegen vermehrt Haftwurzeln über seinen gesamten Umfang.
Beides erklärt sich aus fehlenden Helligkeitsunterschieden, also fehlender Voraussetzung für jede Form von Phototropismus.

Die Begrünung glatter Flächen, z.B. Keramik, Naturstein, beschichteter Beton und alle Metalle, mit Efeu ist (ohne stützende Kletterhilfe) auf Dauer nicht möglich – der Halt durch Haftwurzeln ist daruf unzureichend. Als dauerhaft sinnvolle Stützeinrichtung empfehlen sich stabile waagerechte Leisten oder Stäbe ab etwa 2 m Höhe ca. alle 40 cm bis 50 cm übereinander in einem Wandabstand von > 12 cm. (Vertikale Seile oder „Kletterstangen „als Kletterhilfe für Efeu sind sinnlos rausgeschmissenes Geld!)

Alterung von Haftwurzeln

Haftwurzeln haben als kleine abgestorbene „Wurzelhaare“ selbstverständlich nur eine begrenzte Lebenzeit, bzw. Funktionsdauer. Sie vergehen ebenso wie die Ranken des selbstklimmenden Wilden Weines oder gerüstkletternder Rankpflanzen. Nur selten findet man Reste von ihnen an den Haupttrieben älterer Selbstklimmer. Diese scheinen – oft sogar in einem gewisssen Abstand – vor ihrer Unterlage (Baum, Fels, Wand) zu stehen. Tatsächlich hängen sie meistens, denn nur selten könnten sie das Gewicht der Pflanze tragen.

Lange bevor Haftwurzeln optisch nicht mehr erkennbar sind, verlieren sie ihre Funktion als belastbare Verbindung von Pflanze und Unterlage. Allein der sekundäre Dickenwuchs des Triebes bewirkt das Reißen dieser Verbindung. Die Befestigung von Selbstklimmern auf Fassaden, beruht also vornehmlich auf dem Kontakt jüngerer Pflanzenteile mit der Fassadenoderfläche. Hier liegt eine häufige Ursache für den Absturz selbstklimmender Kletterpflanzen von kleineren begrünten Fassadenflächen. Zur notwendigen Begrenzung ihres Wachstums werden zwangsläufig die jungen Triebe, mit denen die Pflanze ihren Halt wieder verbessern würde, entfernt. So nimmt die Masse der Kletterpflanze zu während sich der Halt auf der begrünten Fläche zunehmend mindert. Irgendwann genügt ein etwas stärkerer Wind um das Herabfallen des Fassadenbewuchses zu verursachen. Dieses Nachlassen der Haftung älterer Fassadenbegrünungen mit Selbstklimmern steht speziell bei Efeu auch in direktem Zusammenhang mit den Veränderungen der Pflanzen in der Altersform.

Heterophyllie – Efeu in der Altersform

Der Übergang einer Efeupflanze in die Altersform wird durch eine Änderung der Blattform offensichtlich. Sie beginnt nach etwa 10 bis 20 Jahren mit der Blüten- und Fruchtbildung. Statt drei- bis fünflappiger werden eiförminge, bzw. elliptische  Blätter gebildet. Für die Fassadenbegrünung mit Efeu sind jedoch die nun erfolgenen Änderungen der Austriebe (Sprosse) bedeutsam. In der Altersform werden keine Haftwurzeln mehr gebildet. Dafür wachsen die Sprosse aufrecht und buschig. Dabei bilden sie zahlreiche Verzweigungen.  In natürlicher Umgebung – speziell beim Bewuchs von Bäumen – wird damit eine hervorragende Anpassung an den Lebensraum realisiert.  Der Efeu hat den meist rauhen Stamm des Baumes mittels Haftwurzeln erklommen und eine Höhe erreicht, in der Stamm und Äste dünner und glatter werden. Diese dünneren Strukturen bewirken undifferenzierte Lichtverhältnisse und in der Höhe weht mehr Wind.  Das Klimmen mit Haftwurzeln stellt unter diesen Umständen nicht mehr die optimale Kletterstratagie dar. Im nun erreichten Ast- und Zweigwerk eines Baumes ist eine spreizklimmende Kletterform erfolgreicher.

An Fassaden wird der Efeuwuchs der Altersform buschiger und ausladender. Hier beginnt mit Übergang in die Altersform die Bildung dicker Pflanzenpolster. Im Gegensatz zu Bäumen  stützen Fassaden diese Zuwächse nicht. Während das Gewicht der Begrünung insgesamt und pro m² weiter zunimmt, die buschigen Strukturen mehr Windangriffsfläche bieten und  ggf. nennenswerte Schneelasten auftreten, mindert sich die rückseitige Befestigung der Pflanze aufgrund der oben beschriebenen Alterung der Haftwurzeln. Damit erklären sich großflächige Ablösungen älterer Efeupflanzen, die nicht durch Enfernung junger Sprosse auf (zu) kleine Flächen begrenzt werden und wegen Alterung der Haftorgane den Halt verlieren. Ihnen kann theoretisch – bisher liegen dazu keine praktischen Erfahrungen vor – durch rechtzeitige Anbringung von Stützkonstruktionen vorgebeugt werden.

 Ausbreitung von Efeu auf  Fassaden und Flächengewicht

Den Sorten von Hedera helix  (wuchstärkster Efeu)  wird ein Wachstum von 20 bis 25 m Höhe – manche Literaturstelle nennt 30 m – zugeschrieben. Wie bei alle anderen Kletterpflanzen richtet sich die Wuchshöhe primär nach Art und Sorte, aber in sehr erheblichem Maße auch nach zahlreichen Standortbedingungen. rsspielen neben der Art/Sorte ein
Die Ausbreitung der Pflanzen auf ebenen senkrechten Wänden erfolgt fächerförmig etwa unter 45 Grad Steigung. Daher entspricht die Ansicht einermit Efeu bedeckte meistenseinem auf der Spitze stehenden Viertelkreis. Sie kann bis etwa 500 m² groß sein. Hedera colchica erreicht Wuchshöhen bis etwa acht Meter und bedeckt entsprechend kleinere Flächen.

Vielfach wird Efeu als langsam wachsend dargestellt. Das ist nicht richtig – auch wenn Neupflanzungen i.d.R. diesen Eindruck bestätigen. Nach einer ggf. mehrjährigen Anwuchsphase kann der jährliche Zuwachs bei Hedera colchica einen Meter, bei Hedera helix zwei Meter und mehr betragen. Etablierte Exemplare von Hedera helix sollten daher als schnellwüchsig angesehen werden.

Entsprechend wissenschaftlicher Untersuchungen (Rath, Fraunhofer Institut) sollte das Gewicht von Efeu mit etwa 0,35 kN je m² angenommen werden. Schnee- und Eislasten sind dabei berücksichtigt. Die Literatur nennt für Hedera helix Triebdurchmesser am Wurzelhals bis etwa 30 cm, berichtet aber auch von Exemplaren mit D > 50 cm.

Einschränkungen der Verwendung von Efeu zur Hausbegrünung  – „no goes“

Alle Efeusorten wachsen negativ phototrop orientiert, d.h. mit lichtfliehenden Trieben. Allein aufgrund dieses Wuchsmerkmales ist die Verwendung aller Arten und Sorten von Efeu vor Fassaden mit offenen Fugen ausgeschlossen!

Aus statischen Gründen muss die Begrünung von Vollwärmeschutz-Systemen mit Efeu unterlassen werden.
Ebenfalls prinzipiell abzuraten ist von der Übergrünung von Holzschalungen oder Holzfachwerk. Hier verursacht oder begünstigt Efeu starke Beschädigungen, die optisch an Schädlings- oder Pilzbefall erinnern. Das Holz verliert wenn es unter dem Bewuchs extrem austrocknet seine Festigkeit! Wie diese Wirkung zustande kommt, ist mir noch nicht bekannt.
Hinter einem Fassaden- oder Mauerbewuchs mit Hedera macht die Trockenheit auch  Stahlbeton zu schaffen. Die Korrosionsbeständigkeit von Bewehrungen setzt eine gewisse Mindestüberdeckung mit Beton voraus. Diese wiederum benötigt eine gewisse Feuchte um wirksam das Eindiffundieren von Sauerstoff zu verhindern. Unter Efeubewuchs kann es so  trocken werden, so dass die übliche Bedeckungsdicke der Bewehrung nicht mehr ausreicht und vorzeitig Korrosion an Bewehrungsstählen eintritt.

Das Brandrisiko von Fassadenbegrünungen mit Efeu

Das Medienzeitalter erlaubt es mit sehr geringem Aufwand z.B. die deutschsprachige Presse automatisch nach Nachrichten über Brände von oder mit Fassadenbegrünungen zu durchsuchen. In den vergangenen  Jahren wurden jährlich Berichte diverser Lokalredaktionen und Einsatzberichte von Feuerwehren gefunden. Sie betrafen weit überwiegend efeubegrünte Fassaden. Andere Kletterpflanzen sind weder als Brandherd noch als irgendwie als brandbegünstigend auffällig. Eine der wenigen Ausnahme könnte ein Brand bei Karstadt in Münster darstellen. Hier geriet eine „mit irgendwas“ bewachsene Pergola vermutlich durch eine fortgeworfene Zigarette in Brand . Es gab ein eindrucksvolles Feuer.

In zwei Fällen lag der Brandherd am Fuße des Efeubewuchses und die Brandursache ließ sich nicht ermitteln. In einem anderen Fall waren Abfallbehälter der Brandherd von dem aus ein Efeu entzündet wurde. In zwei Fällen wurde eine Begrünung mit Efeu durch Feuer aus dem Inneren eines Gebäudes in Mitleidenschaft gezogen, dabei soll beim Brand eines Fachwerkhauses der Efeubewuchs die Löscharbeiten behindert haben. Die große Mehrheit der „Efeubrände“ ist jedoch auf unsachgemäß durchgeführte  Efeuentfernungen zurückzuführen. In sieben Fällen ist es Heim- und Handwerkern „gelungen“ beim Abflämmen von Efeuresten einen Brand zu verursachen, der das Interesse lokaler Medien fand.  Art und Umfang von Personenschäden hielten sich in Grenzen. Die Sachschäden speziell in Folge der leichtfertig und unsinnig verursachten Brände waren teilweise erheblich (Beispiel aus 08.12) aber meist eher gering bis sehr gering.

Generell lässt sich das Brandrisiko einer mit Efeu begrünten Fassade durch Schnittmaßnahmen erheblich reduzieren. Je dicker das Efeupolster ist, desto mehr leicht brennbare Trockensubstanz (vornehmlich Blätter)  ist darin eingelagert. Bei Polsterdicken < 40 cm lässt sich diese im Rahmen der jährlichen Rückschnitte mit wenig Aufwand entfernen.

Mehr Informationen zum Thema „Fassadenbegrünung und Brandsicherheit“ enthält mein Vortrag „Statistisches über Brände mit Kletterpflanzen und Strategien zu ihrer Vermeidung“ vom 24.102014 in Wien (Veranstalter: Foundation Biotope City, Amsterdam und BOKU Wien).

Zum Alter von Efeupflanzen

Die Lebenserwartung von Hedera helix und Hedera colchica beträgt deutlich über 150 Jahre.  Vielfach finden sich Altersangaben für Altbestände in der Größenordnung über 200 Jahre.

Efeu beseitigen und Haftwurzeln entfernen ….

Inzwischen häufen sich Anfragen, wie man Efeu beseitigen und die Reste und Spuren eines Efeubewuchses von Fassaden entfernen kann. Manch einem wächst er eben doch eines Tages sprichwörtlich über den Kopf. Oft ist dies mit so viel Verdruss für Hausbesitzer verbunden, dass eine endgültige Entfernung angestrebt wird. Das heisst dann:

  • Pflanze (für immer) abtöten,
  • Pflanze beseitigen und
  • Fassade (Mauer) von Resten der Haftwurzeln befreien

Abtöten einer Efeu-Pflanze

Efeu an einem Felsen kletternd, tiefe Verwurzelung in Felsspalten (Kakushöhle 2007)

Efeu an einem Felsen kletternd, tiefe Verwurzelung in Felsspalten (Kakushöhle 2007)

Zur bleibenden Beseitung von Efeu im Garten oder am Haus ist es erforderlich, das Wurzelwerk vollständig auszugraben oder abzutöten. Solange Efeu in lockerer Erde wächst, stellt dies kein Problem dar. Efeu wurzelt dort eher flach und vielfach kann man in diesem Fall die Wurzeln beim Umgraben mit einem Gabelspaten ausreichend vollständig auslesen. Allerdings wurzelt Efeu in trockenerem Boden auch tiefer.
In steinigen oder gar felsigen Böden wird Ausgraben häufig unmöglich. Wurzeln, die sich zwischen größeren Steinen oder in Felsspalten – aber auch unter Bauwerken – etabliert haben, lassen sich meist nicht mehr ausreichend vollständig ausgraben. In diesem Fall empfehle ich, einen Fachbetrieb mit einer gezielten Pflanzenvernichtung zu beauftragen. Dazu rate ich auch, wenn Efeu in einer – ggf. historischen – Mauer wurzelt.

Ist nur eine temporäre Beseitigung der oberirdischen Plfanzenteile – z.B. zur Fassadenrenovierung – angestrebt, genügt eine Durchtrennung der Triebe – egal in welcher Höhe. Efeu regeneriert sich – auch wenn der gesamte oberirdische Teil entfernt wird – schnell aus verbliebenen Stümpfen oder den unterirdischen Pflanzenteilen.

Freilegen einer Fassade (oder Wand/Mauer)

Insbesondere jüngere Efeupflanzen, die noch viele frische Haftwurzeln auf der überwachsenen Fläche aufweisen, sollten nicht in frischem (noch feuchten) Zustand von einer Wand abgelöst werden. Das frische (noch elastischere) Holz lässt sich zwar in längeren Teilstücken abreissen, aber dann bleiben größere Reste der jungen Haftwurzeln am Untergrund haften. Der Abriss junger – noch lebender Haftwurzeln (Wurzelansätze) erfolgt näher am Trieb, als am Untergrund. Lässt man die Pflanze erst verdorren, lösen sich die jungen Haftwurzeln zu etwas größeren Teilen vom Untergrund.

Beseitigung von Haftwurzeln auf Fassaden und Mauern

Reste von Efeu-Haftwurzeln auf einer Fassade

Efeu-Haftwurzeln auf einer Fassade

Nach Entfernung der Efeutriebe zeigt sich ein mitunter erschreckendes Bild der Fassade. Je nach Oberfläche und Efeuart oder -sorte hängt sie mehr oder weniger voll mit mehr oder weniger langen Haftwurzeln. Diese lassen sich um so schwieriger entfernen, je fester und rauher die Fassade ist.
Besonders schwierig ist demnach die Reinigung rauher Putz- und Klinkerfassaden. Hier wird immer wieder in unverantwortlicher Weise das Abflämme mit Gasbrennern so praktiziert, dass umgebender Efeu und/oder Teile des Gebäudes Feuer fangen. Diese Technik sollte grundsätzlich erst zum Einsatz kommen, wenn alle größeren Pflanzenreste entfernt und notwendige Sicherheitsmaßnahmen getroffen sind.

Alternativ zum Abflämmen bietet sich neuerdings die völlig unbedenkliche Fassadenreinigung mit Trockeneis an. Dieses Verfahren ist allerdings verhältnismäßig teuer.

Auf verputzen und/oder gestrichenen Fassaden kann man Glück haben und mit einer Hochdruckreinigung (möglichst Heisswasser) ausreichende Erfolge erzielen. Ggf. genügt bei guter Lösbarkeit (abhängig von der Fassadenoberfläche) sogar eine Trockenreinigung duerch Abkratzen oder Abbürsten (Drahtbürste) und anschließendes Nachwaschen.

Das Reinigungsergebnis einer Hochdruck-Nassreinigung lässt sich sehr oft durch haushaltsübliche Reinigungsmittel verbessern. Auf Anstrichen aller Art habe ich relativ brauchbare Ergebnisse mit Kunststoffreinigern (leicht lösungsmittelhaltig) erzielt. Auf ungestrichenen Putz- oder Steinoberflächen verbessern kalklösende Reiniger (Sanitärbereich) m.E. die Wirkung eines Hochdruckreinigers. In beiden Fällen vornässen und das Reinigungsmittel einwirken (aber nicht eintrocknen) lassen.

Jede umfangreichere Haftwurzelentfernung bei Efeu bringt es mit sich, dass eine Putzfassade anschließend sanierungsbedürftig ist – mindestens ist ein neuer Anstrich fällig. Ob man dazu jedes Wurzelhäarchen restlos entfernt (oder entnervt dann doch ein paar einfach überarbeitet) muss jeder selbst entscheiden…. M.E. stören ein paar punktuelle Haftwurzelreste nicht, sofern sie sich mühelos deckend überstreichen lassen. Dazu gibt es im entsprechenden Fachhandel geeignete Voranstriche.
Wer solche Schwierigkeiten, die nun mal – neben einigen anderen – zu jedem selbstklimmenden Bewuchs gehören, im Voraus vermeiden will, entscheidet sich besser für einen Fassadenbewuchs mit einer Gerüstkletterpflanze.

Baumbewuchs durch Efeu

In zahlreichen Wäldern, aber auch an Parkbäumen und in vielen Gärten wächst Efeu – gewollt oder ungewollt – an Bäumen. Die Meinungen hinsichtlich der Verträglichkeit sind geteilt. Einerseits werden vielfach Schäden durch Wurzelkonkurrenz und „Auszehrung“ der Bäume unterstellt, andererseits wird jegliche schädliche Wirkungen bestritten – teilweise sogar eine stützende Wirkung gepriesen. So soll angeblich der originale „Birnbaum von Ribbek auf Ribbek“ als er längst innen ausgefault war, noch einige Jahre vom daran klimmenden Efeu aufrecht gehalten worden sein…..

Efeu an einem schwachwüchsigen Baum. Hier besteht "Erstickungsgefahr" und ggf. kann die Standsicherheit (auch hinsichtlich Windlasten) gefährdet werden.

Efeu an einem schwachwüchsigen Baum. Hier besteht „Erstickungsgefahr“ und ggf. kann die Standsicherheit (auch hinsichtlich Windlasten) gefährdet werden.

Beide Ansichten sind falsch. Weder zehrt Efeu (über Haftwurzeln) gesunde Bäume aus, noch wäre er jemals irgendwie in der Lage, einen Baum zu stützen. Wie jede Kletterpflanze kann auch stark verholzter Efeu bei weitem noch nicht einmal jenes Gewicht tragen, das er an einer geeigneten Unterlage kletternd entwickelt. Efeu ist ohne eine ihn stützende Unterlage (Wand, Baum) nichts anderes als ein Bodendecker…. Kranke, oder aus anderen Gründen irgendwie vermindert tragfähige Bäume brechen daher gelegentlich unter der Zusatzlast eines Efeubewuchses zusammen – häufig bei Sturm/Schneefall.
Vor allem bei freistehenden Bäumen, die von Efeu sehr stark durchdrungen oder gar überwuchert sind kann u.U. die Standfestigkeit eines Gehölzes gefährdet werden. Üblicherweise beschränkt sich die baumschädigende Wirkung von Efeu aber auf eventuelle Überlegenheit in der Konkurrenz um das Sonnenlicht.

Es kann passieren, dass schwächer wachsende Gehölze von Efeu derart überwuchert werden, dass sie unter Lichtmangel leiden und teilweise – in Ausnahmefällen auch gänzlich – absterben.

Eine „Auszehrung“ von Bäumen mittels der Haftwurzeln ist ebensowenig möglich, wie sich Efeu über diese ernähren kann. Ein Wurzelansatz, der einmal aufgrund der Umgebungsbedingungen zur Haftwurzel verkümmert ist, wird dauerhaft zu einem toten Bestandteil der Pflanze, das weder wächst, noch irgendwelche anderen Aktivitäten entwickelt! Der ebenfalls mitunter geäußerte Verdacht, Efeu könne den Dickenwuchs von Bäumen behindern und diese so „strangulieren“ ist m.E. vor allem eine theoretische Möglichkeit, die in der Praxis nur selten nachzuweisen ist. Efeu umschlingt die bewachsenen Bäume nicht, oder nur in so geringem Maße, dass solches „Erwürgen“ eine ungewöhnliche Ausnahme darstellen dürfte.
Die nachfolgenden Bilder zeigen jahrzehntealte Efeustämme an Bäumen. Der Efeu strebt i.d.R. weitgehend parallel zum Baumstamm dem Licht entgegen. Wie auch an Fassaden und Felsen verliert der Efeustamm mit der Zeit sogar den direkten Kontakt zur Unterlage. Die Fotos entstanden in einem Wald, dessen Baumbestand sehr viel Efeubewuchs aufweist. Efeubedingte Beschädigungen lassen sich dort nicht feststellen.



Baumstämme mit Efeubewuchs (Hedera helix) im Naturpark Eifel (Umgebung der Kakushöhle, 2007)



Baumstämme mit Efeubewuchs (Hedera helix) im Naturpark Eifel (Umgebung der Kakushöhle, 2007)

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