Hinweise zur angepassten Strukturierung von Kletterhilfen und Gewichtsabschätzung von ausdauernden Kletterpflanzen

Dimensionen    Struktur-
empfehlungen(1)
  Gewichtsabschätzungen
Gesamtgewichte(2) = belaubt und tropfnass
gemäß Kletter-
form u. TriebØ
Bei unkontrolliertem und
ungehemmtem Wuchs
Bei fachgerechtem Schnitt (flächig/schmal/linear)
Botanische Bezeichnung Wuchs­höhe Trieb-Ø Seitl. Abstand (A)
bzw. Breite x Höhe
(B x H )
Frucht-gewicht Holz-gewicht Gesamt-gewicht Übliches Gesamtgewicht* Last-klasse
und Kletterform () flächig linear
bis ca. bis Schät- i.d.R. bis ca. bei 2 m bei 1 m ≤ 0,7 m
von bis zung (gesamte Pflanze) Breite Breite Breite
m cm cm cm kg/m² kg/Pfl kg/Pfl. kg/m² kg/m² kg/m
Actinidia arguta (S) 8 15 30 50 1,0 180 290 11 14 13 2
Actinidia deliciosa (S) 10 20 30 50 3,0 310 520 15 19 18 3
Actinidia kolomikta (S) 4 3 30 30 k.A. 10 40 5 4 4 1
Akebia quinata (S) 8 5 30 40 0,5 60 150 7 7 7 2
Akebia trifoliata (S) 6 5 30 40 0,5 40 100 7 6 7 2
Aristolochia macrophylla (S) 10 10 30 50 k.A. 150 280 8 10 9 2
Aristolochia tomentosa (S) 6 5 30 50 k.A. 40 100 6 6 6 2
Campsis radicans (WK) 10 20 ggf. Sicherung k.A. 310 440 entf. entf. entf. entf.
Campsis x tagliabuana (WK) 5 10 30 x 30 60 x 60 k.A. 70 110 entf. entf. entf. entf.
Celastrus orbiculatus (S) 14 16 20 40 0,2 350 600 11 15 13 4
Celastrus scandens (S) 10 10 20 40 0,2 150 290 8 10 10 2
Clematis-Hybriden (groß; RB) 6 3 10 x 10 20 x 20 k.A. 20 80 5 5 5 1
Clematis alpina (RB) 3 3 10 x 10 20 x 20 k.A. 10 30 5 5 4 1
Clematis macropetala (RB) 4 5 10 x 10 30 x 30 k.A. 30 60 6 7 6 1
Clematis montana (RB) 10 5 15 x 15 30 x 30 k.A. 70 200 6 6 7 2
Clematis orientalis (RB) 7 5 10 x 10 30 x 30 k.A. 50 120 6 6 6 2
Clematis tangutica (RB) 6 5 15-20 15-20 k.A. 40 100 6 6 6 2
Clematis terniflora (RB) 10 5 15-20 15-20 k.A. 70 200 6 6 7 2
Clematis vitalba (RB) 14 15 15-20 15-20 k.A. 320 570 10 14 12 3
Clematis viticella (RB) 4 3 10-20 10-20 k.A. 10 40 5 4 4 1
Euonymus fortunei – Sorten (WK) 6 10 ggf. Sicherung 0,1 90 140 entf. entf. entf. entf.
Fallopia baldschuanica (S) 15 10 20 40 k.A. 230 510 8 10 10 3
Hedera colchica (WK) 8 15 ggf. Sicherung 0,1 180 270 entf. entf. entf. entf.
Hedera helix (WK) 25 30 ggf. Sicherung 0,1 1170 1940 entf. entf. entf. entf.
Hedera hibernica (WK) 20 30 ggf. Sicherung 0,1 940 1430 entf. entf. entf. entf.
Humulus lupulus (S) 6 1 20 40 k.A. 0 60 5 3 4 1
Hydrangea anomala. ssp. Pet. (WK) 15 10 ggf. Sicherung k.A. 230 510 entf. entf. entf. entf.
Jasminum nudiflorum (K) 5 3 25 x 25 50 x 50 k.A. 20 60 6 5 5 1
Lonicera x brownii (S) 5 2 20 30 0,1 10 50 5 4 4 1
Lonicera caprifolium (S) 6 2 20 30 0,1 10 70 5 4 4 1
Lonicera x heckrottii (S) 4 2 20 30 0,1 10 40 5 5 4 1
Lonicera henryi (S) 8 4 20 30 0,1 50 130 6 6 6 2
Lonicera japonica (S) 5 2 20 30 0,1 10 50 5 4 4 1
Lonicera periclymenum (S) 6 2 20 30 0,1 10 70 5 4 4 1
Lonicera x tellmanniana (S) 6 2 20 30 0,1 10 70 5 4 4 1
Menispermum (S) 6 3 20 30 0,2 20 80 6 5 5 1
Parthenocissus inserta (RS) 8 20 20 x 20 40 x 40 0,2 250 340 13 18 15 3
Parthenocissus quinquefolia (RH) 15 20 ggf. Sicherung 0,2 470 750 entf. entf. entf. entf.
Parthenocissus tricuspidata (RH) 20 30 ggf. Sicherung 0,2 940 1440 entf. entf. entf. entf.
Periploca graeca (S) 10 15 25 40 0,2 230 360 10 14 12 3
Rosa [Climber] (K) 12 20 25 x 25 50 x 50 k.A. 370 550 12 18 14 3
Rubus (K) 4 4 30 x 30 50 x 50 k.A. 20 50 6 5 6 1
Schisandra chinensis (S) 6 8 30 40 k.A. 70 120 7 8 8 2
Schizophragma hydrangeoides (WK) 12 5 ggf. Sicherung k.A. 90 270 entf. entf. entf. entf.
Schizophragma integrifolium (WK) 8 5 ggf. Sicherung k.A. 60 140 entf. entf. entf. entf.
Vitis amurensis (RS) 6 8 20 x 20 40 x 40 1,0 70 130 8 9 10 2
Vitis coignetiae (RS) 12 30 20 x 20 40 x 40 1,0 560 780 17 26 20 4
Vitis riparia (RS) 12 20 20 x 20 40 x 40 1,0 370 590 13 18 15 3
Vitis vinifera (RS) 10 12 20 x 20 40 x 40 2,0 180 360 11 12 13 3
Wisteria brachybotris (S) 10 15 40 70 k.A. 230 360 10 14 12 3
Wisteria floribunda (S) 12 25 40 70 k.A. 470 650 14 22 17 4
Wisteria sinensis (S) 30 50 40 70 k.A. 2350 3420 24 42 28 5

 

Legende Schriftfarben:

Blau = Schlingflanzen; rot = Rankpflanzen; schwarz = Spreizklimmer; orange = Selbstklimmer

Erläuterungen

(1) Strukturempfehlungen für Kletterhilfen
Die Maßangaben berücksichtigen ausschließlich Aspekte des jeweiligen Wuchsverhaltens und der Pflege. Daher sind für schlingende Kletterpflanzen nur die Abstände (A) zwischen parallelen, steil aufwärts gerichteten Profilen/Seilen angegeben.
Aus statischen und/oder optischen Gründen können jedoch auch für Schlingpflanzen quer verstrebte Strukturen (Gitter oder Netze) zweckmäßig sein.
Die Maßangaben (B x H) für die Weite von Gittern und Netzen gelten für senkrecht-waagerecht oder parallelogrammförmig strukturierte (einseitig geneigte) Ausführungen. Bei rauten- bzw. rhombenförmig strukturierten Gittern/Netzen (bevorzugt für Ranker und Spreizklimmer geeignet) können die Maße für die Felder/Maschen (B und H), wenn sie zwischen Kreuzungspunkten gemessen werden, bis etwa 40% größer als der Tabellenwert gewählt werden. Der mittlere Abstand, also die Weite der Struktur, entspricht dann wieder etwa den o.a. Empfehlungen für rechtwinklige Gitter/Netze.

(2) Gewichtsangaben
a) Allgemeines
Es sind überschlägig und streng schematisch durchschnittliche Gewichte ermittelt worden, die den üblichern Wuchsdimensionen der Arten in Mitteleuropa entsprechen. In der Praxis weichen messbare und in Einzelfällen gemessene Werte von diesen Angaben ggf. erheblich ab.
Die dafür wichtigste Gründe sind:
1. Die natürliche Holzverteilung führt zu bodennah höheren und oben geringeren Gewichten.
2. Sehr oft erreichen die Pflanzen nicht die zugrunde gelegten Dimensionen (speziell Triebdicke). In Einzelfällen werden die Tabellenwerte für Triebdicke und Wuchshöhe jedoch auch überschritten.
3. Durch Schnitt und insbesondere die Herausnahme starker bzw. alter Triebe (Verjüngung) wird das tatsächliche Holzgewicht sehr erheblich reduziert. Das ist speziell dann erforderlich, wenn die Kletterhilfe aus einem einzigen Profil oder Seil besteht und durch Dickenwuchs verformt wird oder werden kann.
4. Eine Entlastung von Kletterhilfen durch eine eventuell auftretende Bildung tragender Stämme bleibt aufgrund zu geringer Wahrscheinlichkeit einer zuverlässigen Wirkung unberücksichtigt.

b) Unkontrollierter Wuchs ganzer Pflanzen
1. Die angegebenen Gesamtgewichte für unkontrollierten und ungehemmten Wuchs beziehen sich auf sehr große Ausbreitungen (Fläche = 1/3 Kreis mit r = Wuchshöhe). In der Praxis der Fassadenbegrünung ist eine solche i. d. R. nur mit selbstklimmendem Bewuchs realisierbar. Je wüchsiger eine gerüstkletternde Art ist, desto unwahrscheinlicher wird die Erreichung des oben ausgewiesenen Maximalgewichtes eines Exemplares an einem Bauwerk.

c) Gewichtsangaben für fachgerecht geschnittene Pflanzen
* Diesen Angaben liegt zugrunde, dass das tatsächliche Holzgewicht einer Pflanze gegenüber dem potenziell möglichem je nach Kletterhilfe im Laufe je nach der Jahre durch die periodisch erfolgenden Schnitte wie folgt reduziert wird:
– an einer breiten flächigen Kletterhilfe aus mehreren parallelen Profilen/Seilen oder einem Gitter/Netz um 50 %
(Die Gewichtsangaben in kg/m² gelten bei 2 m Breite der Kletterhilfe)
– an einer schmalen Kletterhilfe aus mindestens zwei parallelen Profilen/Seilen oder einem Gitter/Netz um 50%
(Die Gewichtsangaben in kg/m² beziehen sich auf einen m Breite des Bewuchses)
– an einer linearen Kletterhilfe aus einem einzigen Profil oder Seil um 70 %
(Die Gewichtsangaben in kg/1m Höhe der Kletterhilfe beziehen sich auf bis zu 0,7m Breite des Bewuchses)

Die Annahmen zur Gewichtsreduzierung durch periodisch erfolgenden Schnutt sollten speziell bei der Dimensionierung von Kletterhilfen und Befestigungen für Pflanzen der Lastklassen 4 und 5 berücksichtigt werden.

Das Flächengewicht von holzigeren Gerüstkletterpflanzen erreicht unter den o. g. Voraussetzungen bei etwa 1 m Breite einen Maximalwert. Mit zunehmender Breite wird es aufgrund lichterer Anordung der Leittriebe geringer, sofern in vergleichbarem Maße Rückschnitte erfolgen.
Vernachlässigung des periodischen Schneidens, insbesondere die Tolerierung einer Verdichtung älterer und damit dickerer Trieben, bewirkt vor allem bei wuchsstarken Kletterpflanzen beachtliche Zunahme der auftretenden Lasten.
Dies ist insbesondere bei (linearen) Kletterhilfen aus einem Profil oder Seil zu beachten.