Maximal

Ermittlung von Maximallasten für

klassische Fassadenbegrünungen mit Kletterpflanzen

 

Hinweis:

Die nachfolgenden Ausführungen basieren auf Untersuchungen und Überlegungen aus den 1990er Jahren. Zu dieser Zeit standen statische Aspekte der Fassenbegrünung deshalb im Vordergrund, weil zunehmend Fassaden, deren Oberflächen keine oder nur geringe Zusatzlasten tragen konnten, mit Kletterpflanzen begrünt wurden, bzw. begrünt werden sollten.
Daher wurden zu dieser Zeit immer wieder Zweifel an der Machbarkeit solcher Fassadenbegrünungen – auch hinsichtlich der statischen Sicherheit – laut. Dies galt (und gilt immer noch) in erster Linie für WDVS (Wärmedämmverbundsysteme) und VHF (Vorgehängt Hinterlüfteten Fassaden).
Etwa zeitgleich ergab sich durch die Wende großer Begrünungsbedarf für sogenannnte „Plattenbauen“ vor oder nach Sanierung, bzw. Wärmedämmung. Hier wurden die gleichen Zweifel diskutiert.
Bei Bauherren, Planern und auch Behörden stand in Sachen Fassadenbegrünung also seinerzeit die prinzipielle Frage nach der Zuverlässigkeit des Verbundes von Bauwerk und Kletterpflanzen – egal ob selbstklimmend oder gerüstkletternd – im Vordergrund. Daher richtete sich besondere Aufmerksamkeit auf die potenziellen Maximallasten, die ein Fassadenbewuchs mit Kletterpflanzen mit sich bringen kann – egal, wie diese zustande kommen!.

Ich zähle zu jenen, die sich damals mit viel Aufwand konkret um Klärung dieser eher technischen Aspekte der Fassadenbegrünung bemühten und muss heute rückblickend feststellen, dass ich mich wohl zu sehr darauf konzentriert habe, ohne die Zweckmäßigkeit dieser Bemühungen ausreichend zu hinterfragen.
Natürlich war mir und allen anderen Experten immer sehr bewusst, dass Maximallasten bei Fassadenbegrünungen nur durch langzeitiges ungehemmtes Wuchern von Fassadenbewuchs auftreten können und dass es diesen Zustand eigentlich gar nicht geben dürfte. Dass er trotzdem als Basis für Lastannahmen gewählt wurde, erklärt sich einzig und allein aus dem Bemühen um dauerhafte Sicherheit von Fassadenbegrünungen.

Heute stehe ich auf dem Standpunkt, dass dies ein Fehler war. Die mühsam ermittelten potenziellen Maximallasten durch den Bewuchs von Bauwerken mit Kletterpflanzen darf es in der Praxis aus zahlreichen Gründen gar nicht geben!
Zu fachgerechter Fassadenbegrünung mit Kletterpflanzen gehört unverzichtbar deren zielgerichtete Leitung und regelmäßiger Schnitt. Bereits ein Minimum an Pflege schließt das Auftreten von Maximallasten (und andere Rikien) grundsätzlich aus.
Dieses Wissen ist aber offenkundig – außer bei Hobbygärtnern – nicht (mehr?) „Stand der Technik“….

Fast habe ich den Eindruck, dass die gewählte Sicherheit für den dauerhaften Halt von Fassadenbegrünungen zur Vernachlässigung der Pflege beitrug. Daraus, dass ungepflegte bis verwahrloste Fassadenbegrünungen (scheinbar) zum Maßstab ihrer Dimensionierung und Ausführung herangezogen wurden, schlossen offenbar zu viele Planer und Bauherren auf ihre Verzichtbarkeit.
Wer heute ältere Fassadenbegrünungen an öffentlichen oder gewerblichen Bauten betrachtet, wird vielleicht auch deswegen immer wieder feststellen, dass ungenügende Tragfähigkeit von Fassaden oder Kletterhilfen eher selten zu Schäden (oder Beseitigung aufgrund Verdrusses) geführt hat. Viel häufiger versagte und versagt klassische (bodengebundene) Fassadenbegrünung aufgrund völlig unzureichender oder auch unterlassener Pflege. Aber auch wenn Pflegedefizite nicht zum Versagen führen, stellen sie immer wieder ärgerliche Mängel dar. Das betrifft – vor allem bei laubabwerfenden Gerüstkletterpflanzen – meistens die Optik außerhalb der Vegetationsperiode. Die Mehrheit solcher Fassadenbegrünungen, speziell höherer, könnte sich ganzjährig sehr viel ansehnlicher darstellen und positiver wirken, als sie es aktuell tut.

Trotz dieser Bedenken habe ich mich entschieden, meine alten Ausarbeitungen zum Thema „Statik von Fassadenbegrünungen“ jedermann zugänglich zu halten. Erstens liegen sie (neben anderen) den Angaben der aktuell gültigen „Richtlinie zur Planung, Pflege und Ausführung von Fassadenbegrünungen mit Kletterpflanzen (FLL e.V. 2001) weiterhin zugrunde, zweitens gibt es immer wieder Fälle, in denen diese Informationen hilfreich sind.

 

Hier geht es weiter: Maximale Vertikallasten – Pflanzengewichte